Burnout als Softwareentwickler – Warum gerade wir gefährdet sind

Burnout als Softwareentwickler – Warum gerade wir gefährdet sind

·Max Schneider

Burnout als Softwareentwickler – Warum gerade wir so gefährdet sind

⚠️ Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen und ersetzt keine professionelle medizinische oder psychologische Beratung. Wenn du Anzeichen eines Burnouts bei dir erkennst, sprich bitte mit einem Arzt oder Therapeuten.


TL;DR (Key Takeaways)

  • Entwickler-Burnout ist real: Hoher Druck, enge Deadlines und ständiger Tech-Wandel zehren an den Nerven
  • Perfektionismus ist eine Falle: Der Drang nach fehlerfreiem Code kann dich mental zerstören
  • Isolation verstärkt alles: Remote Work ist toll, aber fehlender Austausch macht einsam
  • Neurodivergenz erhöht das Risiko: ADHD und Autismus bringen zusätzliche Herausforderungen mit sich
  • Work-Life-Balance ist kein Luxus: Ohne echte Pausen läufst du früher oder später gegen die Wand
  • Grenzen setzen ist Stärke: "Nein" sagen zu lernen kann dein Leben retten
  • Community hilft: Du bist nicht allein – tausch dich aus mit anderen Devs

Warum ich über dieses Thema schreibe

Ich sitze hier mit ADHD und Asperger vor dem Bildschirm und weiß genau, wie sich Burnout anfühlt.

Als neurodivergenter Entwickler habe ich das volle Programm durchgemacht: Nächte durchgecodet, weil mein Gehirn einfach nicht abschalten wollte. Projekte bis zur Perfektion getrieben, obwohl "good enough" längst erreicht war. Soziale Signale übersehen, bis es zu spät war.

Und weißt du was? Ich war nicht allein. Viele von uns Entwicklern – egal ob neurotypisch oder neurodivergent – laufen auf dem gleichen dünnen Eis.

Lass uns ehrlich darüber reden.

Warum Entwickler besonders gefährdet sind

Der Druck ist real (und wird immer schlimmer)

"Wann ist das Feature fertig?" "Können wir das noch diese Woche launchen?" "Der Kunde braucht das ASAP."

Kommt dir bekannt vor?

Der Arbeitsdruck in der Tech-Branche ist heftig. Deadlines werden oft unrealistisch gesetzt, Sprint-Planung ignoriert die Realität, und plötzlich sind Überstunden die Norm statt die Ausnahme.

Bei mir kam ADHD noch dazu: Ich konnte Zeitschätzungen nie richtig einschätzen. Was ich dachte, dass es 2 Stunden dauert, zog sich oft über Tage hin. Der Druck, den ich mir selbst gemacht habe, war manchmal schlimmer als der von außen.

Der Tech-Stack ändert sich schneller als du "npm install" sagen kannst

React gestern, Next.js heute, was morgen?

Diese Branche ist ein Marathon, bei dem sich die Strecke während des Laufs verändert. Kaum hast du ein Framework gelernt, ist es "legacy". Die nächste große Sache steht schon vor der Tür.

Für neurodivergente Gehirne (wie meins) kann das besonders anstrengend sein. Einerseits lieben wir neue Technologien und den Dopamin-Kick beim Lernen. Andererseits? Der ständige Wechsel ist erschöpfend.

Es fühlt sich an, als würdest du nie wirklich ankommen.

Isolation: Die unsichtbare Last

Remote Work klingt nach Freiheit. Und ja, keine nervigen Meetings im Büro mehr, keine Small-Talk-Zwänge.

Aber hier ist die Kehrseite: Du sitzt allein vor deinem Bildschirm. Keine spontanen Code-Reviews am Schreibtisch. Kein "Hey, hast du mal kurz Zeit?". Keine gemeinsamen Mittagspausen.

Ich habe das lange gefeiert. Als Aspie war ich froh, die sozialen Anforderungen des Büros los zu sein. Aber nach einer Weile merkte ich: Ich war zu isoliert. Niemand, mit dem ich meine Erfolge feiern konnte. Niemand, der merkte, wenn es mir nicht gut ging.

Diese Einsamkeit kann dich auffressen, ohne dass du es merkst.

Perfektionismus: Wenn "gut genug" nie genug ist

Code muss funktionieren. Bugs sind böse. Tests müssen grün sein.

Alles richtig. Aber wo ist die Grenze?

Bei mir war es oft so: Der Code lief, die Features funktionierten, aber ich konnte nicht loslassen. "Noch ein Refactoring. Noch eine Optimierung. Noch ein Edge-Case abdecken."

Das ist der Perfektionismus, der in unserer Branche glorifiziert wird. "Clean Code" wird zum Dogma. "Best Practices" zum Zwang.

Und plötzlich fühlst du dich schuldig, wenn du Code shippst, der "nur" gut ist – aber nicht perfekt.

Fehler fühlen sich an wie persönliches Versagen. Dabei sind sie das normalste auf der Welt.

Work-Life-Was?

Laptop zu. Feierabend.

Klingt einfach, oder? Ist es nicht.

Wenn du im Homeoffice arbeitest, verschwimmen die Grenzen. "Nur noch schnell diesen Bug fixen." "Nur noch diese eine PR reviewen." "Nur noch..."

Und plötzlich sind aus 8 Stunden Arbeit 12 geworden. Deine Hobbys? Auf Eis gelegt. Sport? Nächste Woche vielleicht. Freunde treffen? "Bin gerade zu busy."

Bei ADHD kommt noch Hyperfokus dazu. Wenn ich im Flow bin, vergesse ich alles – Essen, Trinken, Zeit. Das klingt produktiv, ist aber auf Dauer zerstörerisch.

Ohne echte Pausen, ohne Erholung, ohne Leben außerhalb des Codes? Du läufst früher oder später gegen die Wand.

Neurodivergenz macht es komplizierter

Ich spreche aus Erfahrung: ADHD und Autismus bringen zusätzliche Herausforderungen mit sich.

ADHD bedeutet oft:

  • Schwierigkeiten mit Zeitmanagement und Planung
  • Hyperfokus, der dich komplett aufsaugt
  • Probleme beim Task-Switching
  • Emotional regulation ist... schwierig

Autismus bedeutet oft:

  • Sensorische Überlastung (hello, Open-Space-Büro)
  • Social burnout durch Masking
  • Schwierigkeiten, eigene Grenzen zu erkennen
  • Routine-Abhängigkeit, die bei Projekt-Chaos leidet

Wenn du beides hast (wie ich)? Es ist ein ständiger Balanceakt.

Aber hier ist die gute Nachricht: Wenn du verstehst, wie dein Gehirn funktioniert, kannst du besser mit den Risiken umgehen.

Was du tun kannst (aus meiner Erfahrung)

1. Erkenne die Warnsignale früh

Bei mir waren es:

  • Chronische Müdigkeit, die Schlaf nicht wegmacht
  • Zynismus gegenüber der Arbeit
  • Das Gefühl, nichts zu schaffen (trotz harter Arbeit)
  • Körperliche Symptome (Kopfschmerzen, Magenschmerzen)

Ignoriere sie nicht. Sie werden nicht von allein besser.

2. Setze harte Grenzen

"Nein" ist ein vollständiger Satz.

Du musst nicht jede Deadline akzeptieren. Du musst nicht jeden Sprint überladen. Du musst nicht abends um 22 Uhr noch auf Slack antworten.

Ich weiß, es fühlt sich komisch an. Aber deine mentale Gesundheit ist wichtiger als das nächste Feature.

3. Finde deine Community

Du bist nicht allein. Es gibt andere Devs, die das gleiche durchmachen.

Ich habe meinen Kurs "NeurodivergentDevs" genau deshalb erstellt – weil ich wollte, dass andere nicht die gleichen Fehler machen wie ich.

Tausch dich aus. In Discord-Servern, auf Twitter, in lokalen Meetups. Es hilft mehr, als du denkst.

4. Akzeptiere "gut genug"

Dein Code muss nicht perfekt sein. Er muss funktionieren.

Das war eine der härtesten Lektionen für mich. Aber seitdem ich "gut genug" akzeptiere, bin ich produktiver UND glücklicher.

5. Baue echte Pausen ein

Nicht "5 Minuten am Handy scrollen". Echte Pausen.

  • Geh raus. Spazieren. Ohne Podcast im Ohr.
  • Mach Sport. Egal was.
  • Hol dir Hobbys, die nichts mit Code zu tun haben.

Dein Gehirn braucht Erholung. Punkt.

Das Fazit: Du bist nicht kaputt

Wenn du dich ausgebrannt fühlst, liegt das nicht daran, dass du schwach bist oder nicht hart genug arbeitest.

Es liegt daran, dass diese Branche brutal sein kann. Dass die Anforderungen oft unrealistisch sind. Dass Perfektionismus und Hustle-Culture glorifiziert werden.

Aber du kannst anders.

Du kannst Grenzen setzen. Du kannst Pausen machen. Du kannst Hilfe suchen.

Und ja, auch als neurodivergenter Dev kannst du erfolgreich sein – ohne dich dabei selbst zu zerstören.

Wenn du mehr darüber erfahren willst, wie du als neurodivergenter Entwickler (oder einfach als Mensch mit ADHD/Autismus) gesünder arbeiten kannst, schau dir meinen Kurs NeurodivergentDevs an. Da teile ich alles, was ich gelernt habe – authentisch, aus eigener Erfahrung.

Und wenn du gerade merkst, dass du Hilfe brauchst? Such sie dir. Jetzt.

Du bist es wert.

Hey, Ich heiße Max!Marc Lou

Als jemand mit ADHS und Autismus verstehe ich die Herausforderungen neurodivergenter Menschen beim Programmieren – sei es ADHS oder Autismus.

Deshalb möchte ich meine persönlichen Tipps und Erkenntnisse mit dir teilen. In meinem Kurs erfährst du, wie du trotz Neurodivergenz (ADHS & Autismus) dein volles Potenzial als Entwickler entfalten kannst.

Dieser Kurs ist für Anfänger und erfahrene Programmierer mit ADHS oder Autismus geeignet.

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