
ADHS und Programmieren lernen – Dein "Bug" ist dein Feature
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ADHS und Programmieren lernen – Warum mein "kaputtes" Gehirn mein größter Asset ist
⚠️ Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen mit ADHS und ersetzt keine professionelle medizinische oder therapeutische Beratung. Wenn du Schwierigkeiten hast, sprich bitte mit einem Arzt oder Therapeuten.
TL;DR (Key Takeaways)
- ADHS ist kein Bug, sondern ein Feature: Hyperfokus und schnelles Task-Switching können Superpowers sein
- Programmieren und ADHS passen erstaunlich gut: Die Dopamin-Hits beim Problemlösen sind perfekt fürs ADHS-Gehirn
- Struktur ist dein Freund: External Brain (Notion, Obsidian) und klare Routinen helfen massiv
- Lerne anders als "normale" Devs: Project-based Learning > Tutorial Hell
- Nutze deinen Hyperfokus bewusst: Plane ihn, limitiere ihn, sonst brennst du aus
- Community ist Gold wert: Austausch mit anderen ADHS-Devs zeigt: Du bist nicht allein
- ADHS macht dich kreativ: Unkonventionelle Lösungen sind deine Stärke
Der Moment, als ich begriff: Mein Gehirn funktioniert anders
Ich saß vor meinem Bildschirm. 15 Tabs offen. 3 Tutorials gleichzeitig am Laufen. Spotify auf shuffle. Discord im Hintergrund.
Und ich konnte mich auf NICHTS konzentrieren.
"Was ist falsch mit mir?"
Die Diagnose kam später: ADHS.
Und weißt du, was mein erster Gedanke war?
"Dann kann ich das mit dem Programmieren vergessen."
Spoiler: Ich lag komplett falsch.
Heute, Jahre später, kann ich sagen: ADHS ist einer der Gründe, WARUM ich als Entwickler funktioniere.
Aber der Weg dorthin? War alles andere als einfach.
Die brutale Wahrheit: Programmieren lernen mit ADHS ist ANDERS
Lass uns ehrlich sein: Die Standard-Lernmethoden funktionieren für ADHS-Gehirne meistens nicht.
Tutorial Hell
Du kennst das:
Tag 1: "Ich lerne React! 10-Stunden-Tutorial gekauft!" Tag 2: Stunde 2 des Tutorials. Langweilig. Springst zu Next.js. Tag 3: "Vielleicht doch lieber Vue?" Neues Tutorial. Tag 7: 5 angefangene Kurse. Nichts davon fertig.
Welcome to Tutorial Hell. Population: Fast jeder ADHS-Dev.
Das Problem? Tutorials sind linear. Langsam. Schritt für Schritt.
ADHS-Gehirne? Sind alles, nur nicht linear.
Der Hyperfokus-Burnout-Cycle
Dann gibt's die andere Seite:
22 Uhr: "Ich schau mir nur kurz an, wie Promises funktionieren." 6 Uhr morgens: Du hast eine komplette Todo-App gebaut, 3 Stack Overflow Threads gelesen, und die Async/Await Dokumentation auswendig gelernt.
Dopamin-Rush? Check. Produktiv? Hell yes. Nachhaltig? Absolutely not.
Am nächsten Tag bist du komplett leer. Kannst dich auf nichts konzentrieren. Fühlst dich schlecht.
Das ist der Hyperfokus-Burnout-Cycle. Und er ist brutal.
Task-Switching als "Feature"
Meeting. Dann Code-Review. Dann zurück zum eigenen Projekt.
Für "normale" Devs? Okay, machbar.
Für ADHS-Devs? Jeder Switch kostet 20-30 Minuten, um wieder reinzukommen.
Plötzlich sind aus 8 Stunden produktiver Arbeit 3 Stunden geworden. Der Rest? Versuchen, wieder in den Flow zu kommen.
Aber hier kommt der Plot Twist: ADHS kann deine Superpower sein
Nach Jahren des Kämpfens habe ich was begriffen:
Mein ADHS ist nicht das Problem.
Das Problem war, dass ich versucht habe, wie ein neurotypischer Dev zu funktionieren.
Als ich aufhörte, gegen mein Gehirn zu arbeiten, und anfing, MIT ihm zu arbeiten?
Game. Changer.
Hyperfokus ist eine Waffe (wenn du sie richtig einsetzt)
Hyperfokus kann 12-Stunden-Coding-Marathons bedeuten.
Das ist nicht gesund als Daily Routine. Aber strategisch eingesetzt?
Ich plane jetzt meine Hyperfokus-Sessions:
- Freitag nachmittags: "Deep Work Block" im Kalender
- Keine Meetings danach
- Klarer Scope: "Heute baue ich Feature X"
- Timer für Pausen (auch wenn ich sie ignoriere, lol)
Ergebnis? Ich nutze die Superpower, ohne danach komplett auszubrennen.
Schnelles Context-Switching = Problemlösungs-Maschine
Das, was in Meetings nervt, ist beim Debuggen Gold wert.
Bug in Frontend? Backend checken. API-Call? Database ansehen.
ADHS-Gehirne können zwischen verschiedenen Ebenen hin- und herspringen.
Neurotypische Devs bleiben oft zu lang in einer Perspektive stecken.
Wir? Wir sehen Connections, die andere übersehen.
Kreativität durch Chaos
"Das macht man aber nicht so."
Habe ich schon oft gehört. Und weißt du was?
Manchmal ist "nicht so wie man das macht" genau die Lösung, die funktioniert.
ADHS-Gehirne denken unkonventionell. Wir kommen auf Ideen, die andere nie hätten.
Ist der Code manchmal weird? Ja. Funktioniert er trotzdem? Meistens besser als erwartet.
Was mir wirklich geholfen hat (konkrete Strategien)
1. External Brain > Dein eigenes Gedächtnis
Ich vergesse ALLES. Meetings, Deadlines, was ich vor 5 Minuten gegoogelt habe.
Meine Lösung? Notion als zweites Gehirn.
Was ich dort habe:
- Projekt-Tracker mit Status
- Code-Snippets, die ich immer wieder brauche
- "What did I do today?"-Log (für Standups, die ich sonst vergessen würde)
- "Ideas Inbox" für die 47 Ideen, die täglich kommen
Klingt aufwendig? Ist es. Aber es rettet meinen Arsch täglich.
2. Project-Based Learning statt Tutorial Hell
Fuck Tutorials. Bau Projekte.
Statt: "Ich lerne React komplett durch Tutorials" Mache: "Ich baue eine Todo-App und google, was ich brauche"
Warum das funktioniert?
ADHS braucht sofortiges Feedback. Dopamin-Hits.
Bei Tutorials? Kommt nach 10 Stunden. Bei Projekten? Jedes kleine Feature ist ein Win.
Mein Ansatz:
- Projekt definieren (klein starten!)
- Googlen, wenn ich stuck bin
- Stack Overflow ist mein Freund
- Weiter zum nächsten Feature
Learning by Doing > Learning by Watching.
3. Pomodoro ist Bullshit (für mich). Time-Blocking funktioniert.
25 Minuten Arbeit, 5 Minuten Pause?
Mein ADHS-Gehirn: "LOL, nope."
Entweder ich bin im Flow und will nicht stoppen, oder ich komme in 25 Minuten nicht mal in den Flow.
Was stattdessen funktioniert: Time-Blocking mit Flex.
- Morgens 9-12: Deep Work (kein Slack, keine Meetings)
- 12-13: Pause + Admin-Kram
- 13-16: Meetings, Code-Reviews, Kommunikation
- 16-18: Zweiter Deep Work Block (wenn Energie da ist)
Wichtig: Flexibel bleiben. Wenn der Flow um 11 Uhr kickt, lass ihn laufen.
4. Dopamin-Management ist Key
Programmieren gibt Dopamin-Hits. Deshalb lieben wir es.
Aber ADHS braucht MEHR Dopamin als normale Gehirne.
Meine Dopamin-Hacks:
- Musik beim Coden (Brain.fm oder Lo-Fi für Focus)
- Kleine Milestones setzen (und feiern!)
- Gamification: GitHub Contributions Streak halten
- Kaffee. Viel Kaffee. (Okay, das ist nicht gesund, aber real talk)
Wichtig: Kenne deine Dopamin-Fallen. Social Media, YouTube, Gaming können schnell zur Prokrastinations-Spirale werden.
5. Finde deine ADHD-Dev-Community
Reddit: r/ADHD_Programmers Discord: ADHD Dev Servers Twitter: #ADHDDev
Der Austausch mit anderen, die das gleiche durchmachen?
Unbezahlbar.
Plötzlich merkst du: Du bist nicht faul. Du bist nicht dumm. Dein Gehirn funktioniert nur anders.
Und das ist okay.
Die Herausforderungen bleiben (aber du lernst damit umzugehen)
Ich will nicht so tun, als wäre jetzt alles perfekt.
ADHD bleibt ADHD.
Ich struggle immer noch mit:
- Deadlines einhalten (Time Blindness ist real)
- Langweilige Tasks abschließen (Refactoring = meine Nemesis)
- Meetings (besonders die ohne klare Agenda)
- Fokus halten, wenn ein Projekt nicht mehr "neu und spannend" ist
Aber der Unterschied zu früher?
Ich kämpfe nicht mehr gegen mein Gehirn. Ich arbeite mit ihm.
Was mir in den schwierigsten Momenten geholfen hat
Es gab Tage, an denen nichts funktioniert hat.
Wo ich dachte: "Ich schaff das nicht. Ich bin zu kaputt fürs Programmieren."
In diesen Momenten habe ich besonders viel Kraft aus meinem Glauben geschöpft.
Ich fand Trost in der Überzeugung, dass jede Herausforderung – so schwer sie auch scheinen mag – eine Chance zur persönlichen Weiterentwicklung ist.
In den schwierigsten Zeiten habe ich mich im Gebet an den Herrn Jesus Christus gewandt.
Durch diese Verbindung habe ich gelernt, meine inneren Kämpfe zu überwinden und einen neuen Blick auf meine Situation zu gewinnen.
Für mich war es ein Anker. In Momenten, in denen ich an mir selbst gezweifelt habe und er hat mir geholfen, durchzuhalten.
Ich weiß jetzt:
- Wann ich am produktivsten bin (morgens)
- Welche Tasks ich in welchem State machen kann
- Wie ich meinen Hyperfokus nutze, ohne auszubrennen
- Dass es okay ist, Pausen zu machen
ADHD als Entwickler: Ein Feature, kein Bug
Hier ist, was ich gelernt habe:
ADHD macht dich nicht zu einem schlechteren Entwickler.
Es macht dich zu einem ANDEREN Entwickler.
Deine Superpowers:
- Kreativität und Out-of-the-Box-Denken
- Hyperfokus bei den richtigen Projekten
- Schnelles Erfassen neuer Technologien (weil Dopamin!)
- Multi-perspektivisches Problemlösen
Deine Challenges:
- Struktur schaffen und halten
- Langweilige Tasks durchziehen
- Nicht in Tutorial Hell oder Projekt-Hopping verfallen
- Work-Life-Balance (Hyperfokus-Burnout vermeiden)
Aber hey, jeder hat Challenges. Deine sind nur... spezieller.
Meine Message an dich
Wenn du ADHS hast und denkst, Programmieren ist nichts für dich?
Quatsch.
Programmieren kann PERFEKT für ADHS-Gehirne sein.
Die Dopamin-Hits beim Problemlösen. Die Kreativität beim Code schreiben. Die sofortigen Feedback-Loops.
Es passt.
Aber: Du musst DEINEN Weg finden. Nicht den Weg, den neurotypische Devs gehen.
Das bedeutet:
- Lerne project-based, nicht tutorial-based
- Nutze Tools für dein "External Brain"
- Plane deinen Hyperfokus bewusst
- Finde eine Community, die dich versteht
- Sei flexibel mit deinen Methoden
Und vor allem: Hör auf, dich mit "normalen" Devs zu vergleichen.
Du bist nicht normal. Du bist anders.
Und das ist dein größter Vorteil.
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Du schaffst das. Versprochen.
Happy Coding! 🚀

Als jemand mit ADHS und Autismus verstehe ich die Herausforderungen neurodivergenter Menschen beim Programmieren – sei es ADHS oder Autismus.
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